[Nähen] Sweat Blazer ‚La Jazida‘

Hallöchen!

Gestern Abend nach dem Sport war ich eindeutig zu platt, um noch bis 12 Uhr auf zu bleiben um den Rums-Start mit zu nehmen. Aber besser spät als nie, deswegen mag ich euch jetzt meinen neuen Blazer zeigen.

Entstanden ist der Sweat Blazer in meinem Näh-Marathon rund um Weihnachten. Den Schnitt ‚La Jazida‘ von Schnittgeflüster habe ich bei der 2€-Makerist-Aktion vor einer Weile runter geladen. Für 2€ kann man nicht viel falsch machen dachte ich, und immer habe ich ja auch nicht Lust, die Schnitte selbst zu machen.

Als Material habe ich die ‚Reste‘ von einem mäßig dehnbaren Sweat genommen, der Platz in meinem Stoffregal verbraucht hat. Da ich zwar viele kuschelige Jacken und ‚Überwürfe‘ habe, aber kaum schickes für oben drüber, bot sich das Ganze dann auch an.

Der Schnitt

Erstmal war ich etwas genervt, denn die Nahtzugabe ist im Schnitt enthalten! Klar, das ist Geschmackssache, aber ich bin es einfach nicht gewöhnt. Zusätzlich finde ich, erschwert es einem das Anpassen des Schnittes. Da der Schnitt eher eine legere Passform haben sollte, habe ich einfach meine Standard Größe genommen und dachte mir ‚passt schon!‘. Falsch gedacht! Dazu später mehr.

 

Die Anleitung

Nach dem die drölfzigtausend Seiten dann zusammengeklebt und Ausgeschnitten waren, ging es ans Nähen. Ehrlich gesagt habe ich mich wie immer kaum an die Anleitung gehalten. Nach meinen Jahren mit Näherfahrung klappt es bei so simplen Schnitten meistens auch ohne, wie auch hier. Von daher kann ich kaum beurteilen, wie Anfänger- oder Fortgeschrittenen tauglich die Anleitung ist. Eine Hürde für Nähanfänger kann hier aber ganz klar sein, dass der Beleg nicht im Schnitt enthalten ist! Den muss man sich selber zeichnen, was durch die enthaltene Nahtzugaben gar nicht so einfach ist.

Die Passform

Kommen wir zum Wichtigsten! Wie oben schon erwähnt, passt der Schnitt mir leider gar nicht so richtig gut. Sitzt der Schnitt auf den Nähbeispielen locker und lässig, ist er bei mir durchaus ’spack‘. Dabei passe ich mit den Maßen ziemlich genau in die Größentabelle. Besonders fällt das bei der Schulterbreite auf. Der Blazer ist dort wirklich sehr eng und schränkt mich in der Bewegung ein. Keine Spur von der versprochenen Sportlichkeit also. Ein weiteres großes Manko waren die Ärmel! Die sind bei mir sage und schreibe 7 cm zu kurz gewesen. Mit meinen 1,74m bin ich kein kleines Elfchen aber auch kein Riese. So ein Ärmel-Maleur ist mir noch nie passiert. Hier habe ich also notgedrungen Manschetten angebracht. Vergleicht man dann die Länge bei mir, mit der Länge von den Modellen, sieht man auch einen kleinen Unterschied. Geht die Jacke bei mir gerade bis  zur stärksten Stelle vom Po, geht er bei den meisten Modellen (Und dem Titelmodell) bis über den Po, teilweise ist sogar noch ein gutes Stück Oberschenkel bedeckt. Der Blazer ist nicht zum Schließen gedacht, was bei mir auch einfach nicht möglich gewesen wäre. Ist er auf den Modellen bei einigen Beispielen vorne in der Mitte fast ‚zu‘, klafft bei mir eine große Lücke auf.

Ich habe wirklich schon an mir gezweifelt und habe mehrfach geguckt, ob die Nathzugaben wirklich im Schnitt enthalten sind, denn bei mir ist das fertige Werk ja an allen Stellen etwas zu klein. Die Zugaben sind im Schnitt aber definitiv enthalten! Also stimmt da etwas mit der Maßtabelle nicht ganz, was ich schade finde. Rein vom Schnitt her, finde ich den Blazer nämlich ganz hübsch! Der Kragen gefällt mir gut und auch die Linienführung im Rücken ist mal etwas anderes. Sollte ich den Schnitt nochmal nähen, werde ich eine, wenn nicht zwei Größen größer wählen und von vorneherein die Ärmel ein gutes Stück verlängern. Die Nahtzugaben werde ich dann raus nehmen, was eine nervige Arbeit ist, aber so lässt es sich (für mich) einfach besser mit dem Schnitt arbeiten.

Letztendlich habe ich mich entschlossen meinem fertigen Blazer eine Chance zu geben. Mein Freund hat mich bestärkt und meinte ’sieht gut aus!‘. So habe ich ihn zu meiner verspäteten Weihnachtsfeier getragen und im Sitzen war der Tragecomfort dann auch echt okay. Das spannende Gefühl unter den Armen und vorne an den Armausschnitten von der zu geringen Schulterbreite, verging nach einiger Zeit. Oder ich habe mich dran gewöhnt 😉 Der Blazer darf also erstmal bleiben, mal gucken wann es wieder warm genug ist, ihn an zu ziehen. Aktuell sitze ich in meine Decken-Jacke nach eigenem Schnitt gehüllt vor dem Pc, von der gibt es dann demnächst Fotos.

Mir selbst beweist das erneute Experiment ‚Kaufschnitt‘ aber wieder einmal, dass ich besser dran bin, wenn ich meine Schnitte selber zeichne. Mittlerweile habe ich einen so umfassenden Fundus an selbst gezeichneten Schnitten, dass ich fast jedes Kleidungsstück selbst daraus konstruieren kann. Wenn dann mal was nicht passt, muss ich mich immerhin nur über mich selber ärgern 😉

Liebe Grüße und bis bald,

Svenja

15 Gedanken zu “[Nähen] Sweat Blazer ‚La Jazida‘

  1. Ich finde den Blazer sehr gelungen, kenne es aber sehr gut, wenn es an den Schultern zu stramm sitzt. Mit bereits vorgegebenen Nahtzugaben schneide ich ebenfalls ungern zu.
    Dass der Schnitt ohne Beleg raus gekommen ist, kann ich nicht nachvollziehen.
    Sei froh, dass Du selber an Dir Maß nehmen und zuschneiden kannst. Das ist eine große Hilfe.
    LG von Inken

    • Danke dir!
      Habe gerade nochmal nachgeschaut, der war wirklich ohne Beleg. Man kann entweder ganz füttern, oder die Kanten offen lassen ?
      Das schöne an der ganzen gesammelten Erfahrung bisher ist ja genau das! Dass meine Kleidung mir auch wirklich passt. Vermutlich ärgert mich sowas hier deswegen um so mehr ^^

  2. Boah, das klingt wirklich nervig! Wie schade, denn an sich gefällt mir der Blazer mit der Länge usw. an dir recht gut. Aber wenn’s unter den Armen kneift isses halt doch reichlich ärgerlich… Hm. Naja, immerhin ist der Erkenntnisgewinn, dass du mit eigenen Schnitten besser fährst, auch was wert, oder?

    Liebe Grüße,
    Sabrina

    • Die Erkenntniss habe ich halt leider bei fast jedem Kaufschnitt… *g* Das letzte Erfolgserlebnis war der Rock Evchen von Konfetti Patterns, der saß wirklich schön 🙂

  3. Also zunächst: Ich finde auch, dass sich das Ergebnis gut sehen lassen kann – wenn man halt die Vorlage nicht kennt. 😉
    Die Gesamtlänge von deinem Blazer find ich beispielsweise richtig toll!

    Leider finde ich mich aber in deinem restlichen Bericht genau so wieder – genau das ist mir bei Kaufschnitten auch schon so oft passiert! Und eingezeichnete (am besten noch unterschiedliche!) Nahtzugaben sind die Pest. Bäh. Und ausgedruckte Schnittmuster zusammenkleben. Noch mal Pest! ^^
    Immerhin – nur 2€. Das ist doch ein kleiner Trost. 🙁

    • Danke! Ja von furchtbar Aussehen ist er zum Glück weit entfernt *g* Er wird ja nur meinen Vorstellungen nicht ganz gerecht…
      Eingezeichnete Nahtzugaben, wo dann aber die Kantenführung nicht ganz stimmt – puäh! Und dann am Saum aber nicht genug dazu gegeben… Träumschen.
      Der ganze Müll beim selber ausdrucken nervt mich kollossal! Vor allem zeichne ichs dann doch nochmal auf das dünne Papier, weil mir sonst mein Ordner platzen würde. Also noch mehr Verschwendung 🙁

  4. Schade, dass das alles so nervig und unpassend war. Ich kann deinen Gram gut verstehen, so etwas mag ich auch überhaupt nicht. Ich kann dir die Lady Grace von Mialuna ans Herz legen. Der Schnitt ist dem sehr ähnlich uns sitzt wunderbar, ohne Anpassungen, ist ohne NZ und ebenso einfach zu nähen und man kann ihn mit ein oder zwei Verschlüssen vorne zu machen. Ansonsten kann ich nur sagen, dass dir ein Blazer ganz wunderbar steht, leger, sportlich und doch chic.

    LG Katrin

    • Danke dir! Der Look an sich gefällt mir nämlich auch ziemlich gut.
      Lady Grace ist tatsächlich bei der Aktion auch in der näheren Auswahl gelandet. Als nächstes wird aber vermutlich ein richtiger Blazer, also aus Webstoff, folgen. Da hab ich noch genug in meiner Burda Sammlung zur Auswahl :’D

    • Zur Anleitung kann ich ja kaum was sagen *g* Da hab ich mir nur den Teil mit der Größe und den Nahtzugaben mehrfach durch gelesen 😀 Aber immerhin ist es kein TfdT – Teil für die Tonne *g*

  5. Ich bin ein wenig froh deinen Post zu lesen.
    Sehr schade ist es natürlich, wenn man Arbeit und Stoff investiert und am Ende mit dem Ergebnis nicht zufrieden sein kann.

    Froh bin ich deshalb, weil mir genau das gleiche mit diesem Schnitt passiert ist. Der Blazer ist bei mir allerdings in der Tonne gelandet. Ich hatte die gleichen Probleme wie du. Da ich ein relativ „breites“ Kreuz habe, konnte ich mich mit der Spannung im Rücken gar nicht anfreuen.

    Ich wünsche Dir, daß du trotzdem noch viel Spaß mit deinem Blazer haben wirst.
    Ich finde sooo eng sieht er an dir nicht aus wie er sich vielleicht anfühlt.

    lg Sybille

    • Hallo Sybille,
      das ist ja wirklich ärgerlich, dass er bei dir gar nicht tragbar war 🙁 Aber irgendwie beruhigend ist es ja schon zu lesen, dass man nicht die Einzige mit dem Problem ist. Proportional gesehen finde ich gar nicht, dass ich so ein breites Kreuz habe. Aber vielleicht macht sich der Sport da mittlerweile schon bemerkbar? Bisher habe ich bei anderen Jacken zum Glück noch keine Probleme 🙂 Wenn der nächste Tragetest gut ausfällt, darf der Blazer bei mir bleiben, sonst geht er an eine ehemalige Kollegin die etwas schmaler ist als ich. An ihr müsste der Blazer dann so leger sitzen, wie auf den Beispielbildern *g*
      Liebe Grüße,
      Svenja

  6. Rein optisch find ich den ja super!
    Und uuuhhh, noch jemand von der “größeren“ Sorte 😀 ich rangier ja zwischen 172 (Ausweis) und 174 (letzte Messung, als Brüderchen mir über den Kopf wuchs XD). Das mit den Ärmeln kenn ich! Wenn man auch noch lange Ärmel mag, wie ich, wird das oft schwierig (ich liebe die Tall Abteilung bei Asos XD). Wenn ich doch nur mehr Muse (und Übung) zum Nähen hätte. Mein Plan ist ja, mir eine Gammelhose zu nähen. Flauschigen Stoff hab ich überoptimistisch schon gekauft XD. Einmal eine Gammelhose, die nicht zu kurz oder zu weit ist… soweit der Plan… nur Schnitt, Zeit und Nerven bräucht ich noch XD hast Du bezüglich Schnitt vielleicht einen Tipp?
    LG!

  7. Genau deswegen mag ich die deutschen EBooks nicht. Mag ja eine Vereinfachung sein, aber bei den Amis ist immer nur alles zu weit (Schmeichelgrößen) und damit kann ich arbeiten. Aber bei den deutschen Schnittmuster-Muttis steckt meist kein SInn und Verstand dahinter – Teile passen nicht zusammen, die Beschriftung ist nicht eindeutig – und das alles sieht man erst, wenn man drölfmillionen Seiten zusammengeklebt hat. Aaargh!

    Egal, dein Blazer ist ja im Endeffekt sehr kleidsam geworden. Nur der Weg dahin hätte ja nicht so steinig sein müssen…

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